12. Transparency

12. Transparency

von Anisa Hiabu

Ein erfolgreiches Online-Marketing setzt ein gutes Verständnis der Konsumenten und eine ausserordentliche Kundenbeziehung voraus. Hierbei reicht es nicht mehr aus, Strategien frei nach guten Ideen und Intuition oder vergangenen Massnahmen zu implementieren. Konsumenten werden komplexer und anspruchsvoller, sie wollen verstanden und als Individuum geschätzt werden. Datenanalysen und das schnelle Lernen liefern hierbei oftmals den entscheidenden Beitrag, der beim Unternehmen zu einem prägnanten Wettbewerbsvorteil führen kann. Gleichwohl kann dieser technologische Fortschritt das Kundenvertrauen beeinträchtigen; dies stellt Unternehmen beim Beschaffen von Daten vor eine entscheidende Hürde. Kunden messen ihrer Privatsphäre zunehmend Wert bei und sind daher bei der Weitergabe ihrer Daten misstrauisch und kritisch.

Einer britischen Studie zufolge sind Konsumenten jedoch bereit, ihre persönlichen Informationen zu teilen, wenn das Unternehmen drei fundamentale Aspekte erfüllt: Transparenz, Relevanz und Einfachheit. Diese drei essentiellen Elemente können Unternehmen dabei helfen, Kundenbefürchtungen zu beschwichtigen und gleichzeitig die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden weiter auszubauen.

Quelle: Salyer (2015).

 

Best Practice-Beispiele

The Guardian

Das Thema Kundenvertrauen ist auch für die Zeitung The Guardian von entscheidender Bedeutung. 2012 sah sich die britische Tageszeitung tiefgreifenden Problemen gegenüber. Zum einen hatte das Unternehmen hinsichtlich seiner Druckauflagen mit fallenden Erträgen zu kämpfen, zum anderen hatte es Schwierigkeiten, über sein digitales Publikum Geld zu erwirtschaften.

Um diese Krise zu bewältigen, musste die Zeitung ihre bereits existierende Leserschaft gewinnbringender einsetzen und sich mit dieser in einer personalisierten und relevanten Art und Weise vernetzen. Das Unternehmen war sich bewusst, dass kundenspezifische Daten einen entscheidenden Beitrag zum besseren Verständnis der Kunden leisten können. Allerdings hat The Guardian auch erkannt, dass das Gewinnen von Daten zu Zeiten der „Edward Snowden Story“ eine durchaus beachtliche Hürde darstellt. Die Menschen sind hinsichtlich der Weitergabe ihrer Daten wachsam und misstrauisch geworden – „bad people doing bad things with data“.

Daher hat sich die Zeitung dazu entschieden, seinen Lesern zwanglos und offenen den Grund ihrer Datengenerierungsmassnahme zu erklären. Denn The Guardian war sich bewusst, dass das Vertrauen der Kunde wesentlicher Bestandteil einer guten Unternehmens-Kunden-Beziehung ist.

2014 hat das Unternehmen die Kundencharta „Why your data matters to us“ eingeführt. Mit dem gleichnamigen Video demonstriert The Guardian hierbei sehr transparent seine Einstellung in Bezug auf Daten und erklärt, welchen Beitrag diese für die Zeitung leisten. In dem Video erklärt das Unternehmen auch, wie die Daten der Zeitung helfen, Premium-Werbeeinnahmen zu erzielen und wie essentiell diese für die Finanzierung der Journalisten sind. Zudem erläutert The Guardian der Zuhörerschaft, dass die Daten die Zeitung dabei unterstützen, die Leser besser zu verstehen und damit mit individuell zugeschnittenen und nützlichen Mitteilungen zu bedienen.

Abb. 1: Why your Data matters. The Guardian (2014).

“One of the reasons this was an award winning piece of work was [because] we decided to go down the road [of] being very open and transparent but also moving away from ambiguity and complexity of legal language. It felt to me that we did something quite innovative with that video and it took a lot of effort to get to that point because it got us talking about the importance about being transparent with our customers.” (Julia Porter, Director of Customer Revenues)

Durch seine transparente Haltung konnte das Unternehmen erfolgreich die gewünschten Daten gewinnen, ohne dabei das Vertrauen der Leserschaft zu beeinträchtigen. Nach einer detaillierten Segmentierung der Kunden und dem Heranziehen aussagekräftiger Modelle konnte The Guardian nicht nur seine Conversion Rate verbessern, sondern auch seine Unique Click-Rate auf Emails um 50 % erhöhen und die Einnahmen aus Email-Marketing um 100 % steigern. Die Neueinführung des Bookshops im Zuge der Kundensegmentierung führte zu einer Steigerung des Umsatzes um 60 % und erhöhte die mobile Conversion Rate um 137 %.

Quelle: Hosea (2016).

 

Uber

Dass Uber durch seine innovativen Ideen in kürzester Zeit einen ausserordentlichen Marktanteil gewinnen kann, hat das Unternehmen bereits gezeigt. Vielen ist aber wahrscheinlich nicht bekannt, dass das „Ride sharing“-Unternehmen auch zu den Vorreitern in Bezug auf Datentransparenz und Datenschutz zählt. Uber wurden von der Electronic Frontier Foundation hinsichtlich dem Schutz der Kundenprivatsphäre mit 5 Sternen ausgezeichnet.

Das Unternehmen arbeitet durch das Bereitstellen einer digitalen Plattform als Online-Vermittler von Fahrdienstleistungen. Hierzu muss Uber eine hohe Anzahl an Kundendaten generieren, wie bspw. den Standort, die Kundenhistorie oder auch das Kundenkaufverhalten – im Grunde all jene Informationen, die zum Erbringen eines massgeschneiderten Service von Nöten sind. Allerdings macht der Besitz einer derartigen Datenflut das Unternehmen sehr anfällig für Cyberattacken – persönliche Informationen könnten in falsche Hände geraten.

Der Fahrdienstleistungsvermittler hat sehr intensiv am Thema Datenschutz gearbeitet. Das Unternehmen hat veranlasst, dass Drittpersonen zum Abrufen von Kundendaten Berechtigungen oder gerichtliche Anordnungen aufweisen müssen. Zusätzlich bietet Uber seinen Kunden einen Transparenzbericht und verspricht ihnen, wenn möglich mittzuteilen, falls Gesetzeshüter das Bereitstellen ihrer persönlichen Daten angefordert haben.

Nach der in Vergangenheit oftmals öffentlich bekundeten Sorge des Datenmissbrauchs hat Uber den Wunsch seiner Kunden nach Datenschutz und Transparenz erkannt und umgesetzt.

Quelle: Meola (2016).

Abb. 2: Datenschutz bei Uber. Uber.

 

Telefónica

Auch das Telekommunikationsunternehmen Telefónica hat die Wichtigkeit von Datentransparenz erkannt. Telefónica ist davon überzeugt, dass Transparenz als Katalysator beim Zusammenführen von Datenschutz und Technologie dienen kann. Aus diesem Grund hat das Unternehmen ein Datentransparenz-Labor aufgebaut, welches aus einem gemeinschaftsbasierenden Einsatz zwischen Universitäten, Unternehmen und Organisationen besteht. Ziel des Zusammenschlusses ist es, Wege zu einem transparenten und respektvollen Datenaustausch zu finden. Unter dem Aspekt soll die Forschung in Bezug auf Instrumente und Berichtswesen unterstützt werden, um den mangelnden Schutz der Privatsphäre zu beleuchten und Konsumenten zu befähigen, persönliche Online-Daten zu kontrollieren. Ein Beispiel der Forschungsarbeit des Datentransparenz-Labor ist das Tool „Sheriff“, welches das Telefónica I+D Team in Zusammenarbeit mit der Universität Carlos III und der Universitat Politècnica de Catalunya entwickelt hat und durch welches IP-orientierte Preisveränderungen von Onlineshops ermittelt werden können.

Abb. 3: Data Transparency Lab. Data Transparency Lab.

Vor wenigen Monaten hat Telefónica gemeinsam mit der Anwaltskanzlei Hunton & Williams LLP das White Paper „Reframing Data Transparency“ veröffentlicht. In dieser öffentlichen Diskussionsschrift betonen beide Organisationen die Wichtigkeit von Datentransparenz und weissen zudem darauf hin, dass Transparenz über den gesetzlichen Datenschutzhinweis hinaus geht und sich an den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren sollte. In diesem Zusammenhang werden die wichtigsten Kernaussagen, aus der im Juni 2016 geführten Diskussion beider Organisationen, aufgegriffen und Empfehlungen für Industrie, Aufsichtsbehörde und Bürgergesellschaft ausgesprochen. Die folgende Grafik illustriert diese Kernaussagen.

Abb. 4: Reframing Data Transparency. In Anlehnung an Centre for Information Policy Leadership and Telefónica (2016).

Sowohl das White Paper als auch die Diskussionsrunde bauen auf der Initiative des Daten Transparenz Labors auf und liefern bedeutungsvolle Ansätze zum Thema Transparenz

Quelle: Hunton & Williams (2016).

 

Google Dashboard

Bereits seit 2009 können User über ihr Google-Konto ihre Daten einsehen und kontrollieren. Der genannte Dienst heisst Google Dashboard und liefert eine zentrale Auflistung aller Daten, die in Verbindung mit den verschiedenen Google-Produkten stehen. Durch das Dashboard erhalten die Nutzer einen genauen Überblick darüber, welches Google-Produkt sie zuletzt verwendet haben und wie es eingesetzt wurde. Zusätzlich können die Nutzer über den genannten Dienst auch ihre persönlichen Einstellungen für jedes Google-Produkt individuell überprüfen und ändern.

Alle im Dashboard gespeicherten Daten werden als vertraulich betrachtet und sind daher nicht für Dritte einsehbar. Google Dashboard verwaltet ausschliessliche Informationen eingeloggter User und steht daher auch nur diesen zur Verfügung. User, die nicht eingeloggt sind oder keinen Google-Account besitzen, haben dennoch Kontrolle über Daten. Beispielsweise können sie ausschalten, dass ihre Suchergebnisse anhand früherer Suchaktivität auf dem gleichen Computer angepasst werden.

Google war bereits frühzeitig bewusst, wie wichtig es ist Usern die Möglichkeit zu geben zentral ihre Daten zu kontrollieren – Google Dashboard leistet diesen Dienst und ermöglicht Nutzern Transparenz und Kontrolle über ihre persönlichen Daten.

Quelle: Schonschek (2016).

Abb. 5: Google Produkte und Daten kontrollieren. Google (2009).

Gründe für nachhaltige Relevanz

Kunden vertrauen den Unternehmen nicht mehr

Auch wenn der Besitz von Big Data und die Anwendung von Machine-Learning reichlich Vorteile mit sich bringen, sollten sich Führungskräfte in Unternehmen bewusst sein, dass das Kundenvertrauen unter den modernen Analysetechniken leidet. Die Kunden misstrauen den Unternehmen, da sie glauben, dass diese verantwortungslos mit ihren Daten umgehen. Die Besorgnis hinsichtlich des Missbrauchs persönlicher Informationen ist universal, unabhängig von Geschlecht, Nationalität und Person. Dies hat in einige Fällen auch so tiefgreifende Folgen, dass Kunden allein aus Datenschutzgründen auf digitale Dienste verzichten. Wenn Kunden den Unternehmen nicht trauen, werden sie ihre Daten nicht mit ihnen teilen. Kunden empfinden das Verwenden von Daten oft als Ausnutzen seitens der Unternehmen. Sie haben Sorge, verraten zu werden. Zudem verbinden viele Konsumenten nicht das individuell zugeschnittene Marketing mit der Tatsache, dass ihre Daten eben dazu verwendet wurden, sie mit massgeschneiderten Inhalten zu versorgen.

Quelle: Chahal (2016).

 

Auf Cookies beruhende Inhalte werden immer irrelevanter

Um bei Konsumenten für relevante und persönlich zugeschnittene Erlebnisse zu sorgen, bedarf es „first-party data“. Traditionelle Techniken wie das Verfolgen von Cookies werden immer irrelevanter, da die Browsing-Historie eines Users nur schwer ein ganzheitliches Bild des Konsumenten widerspiegelt – sie vernachlässigt wesentliche Informationen wie Hobbies, Interessen, Lieblingsmarken und Beziehungen. Vor einem weiteren Problem steht diese Technik vor allem in den Fällen, in denen mehrere User dasselbe Endgerät verwenden. Zudem ist es Cookies nicht möglich, Aktivität auf mobilen Geräten zu verfolgen. Letztlich sollte erwähnt werden, dass immer mehr User aufgrund von Datenschutzgründen dazu neigen, Ad Blocker zu verwenden. Dies bestätigt nochmals das Problem, welchem Unternehmen bereits heute bei der Verwendung dieser traditionellen Technik gegenüberstehen. In Bezug auf Marketingtechnologie wird es immer wichtiger, persönliche Kundeninformationen zu generieren. Unternehmen müssen ihre Kunden genau verstehen und eine Beziehung mit ihnen aufbauen. Und zum Verständnis dieser Wünsche und Bedürfnisse bedarf es mehr als nur zusammengebastelter Verhaltensmuster des Browsingverhaltens. First-party data werden direkt vom Konsumenten übermittelt und können daher die gewünschten Informationen wesentlich prägnanter wiedergeben.

Quelle: Salyer (2015).

 

Das neue EU-Datenschutzgesetz wird kommen

Rat und Parlament haben entschieden, dass das neue EU-Datenschutzgesetz Anfang 2018 in Kraft treten wird. Bereits jetzt ist bekannt, dass die neue Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) aus Unternehmenssicht wesentlich strikter ausfallen wird als das bisherige Datenschutzrecht. Daher werden die Unternehmen gezwungen sein, ihre Regulierungen zu hinterfragen und ihre Datenschutzbestimmungen anzupassen.

 

Handlungsimplikationen und Fragen für Führungskräfte

Erläutern Sie Ihren Kunden detailliert und klar, wie Sie die Daten verwenden werden.

Ein wichtiger Schritt zur Herstellung von Transparenz und somit auch Konsumentenvertrauen, liegt darin, dem Kunden den genauen Grund der Datenerhebung zu schildern und das Vorhaben in Bezug auf die Daten aufzuzeigen. Für Konsumenten ist es wichtig, dass das Unternehmen klarstellt, wie die persönlichen Informationen verwendet werden und dass ihre Daten nicht mit Dritten geteilt werden. Die Kunden benötigen eine Absicherung, um sicherzustellen, dass ihre Daten angemessen und verantwortungsbewusst genutzt werden. In dem Sinne sollte bereits zu Beginn geklärt werden, ob geplant ist, die Daten zu verkaufen oder weiterzugeben und ob das Unternehmen bereit ist, die Daten zu löschen, wenn der Kunde darum bittet. Eine Missachtung der Versprechen oder auch vorher nicht klar definierte Grundsätze können das Vertrauen der Kunden massiv beeinträchtigen.

 

Legen Sie Ihren Kunden die persönlichen Vorteile der Datenweitergabe dar.

Die Unternehmens-Kunden-Beziehung hat sich verändert. Während früher noch die Unternehmen deutlich mehr Macht ausüben konnten, sitzen heute die Kunden am längeren Hebel. In früheren Zeiten boten die Unternehmen das gewünschte Produkt bzw. Service zum Verkauf an – und wenn ein Kunde dieses erwerben wollte, musste er dafür zahlen, unabhängig davon, ob der Zahlungsvorgang nur Geld oder auch das Teilen persönlicher Informationen einschloss. Die heutigen Konsumenten sind anspruchsvoller. Sie sind sich über die verschobenen Machtverhältnisse im Klaren und sind aus diesem Grunde auch kritischer, mit wem und wann sie ihre persönlichen Informationen teilen. Daher ist es für die Unternehmen von enormer Wichtigkeit, den Konsumenten die Vorteile der Datenweitergabe aufzuzeigen. Der Kunde muss erkennen, dass das Teilen der Daten in seinem eigenen Interesse ist und er aus der Massnahme einen Nutzen (bspw. geringere Preise, zugeschnittene Deals oder Special Offers) ziehen kann.

 

Demonstrieren Sie Ihre ausserordentliche Wertschätzung von Datenintegrität.

Kunden sind bei der Weitergabe ihrer persönlichen Informationen vor allem deshalb skeptisch geworden, weil sie befürchten, dass die Unternehmen verantwortungslos mit ihren Daten umgehen. Daher ist es wichtig, dem Kunden die besondere Wertschätzung von Datenintegrität zu vermitteln – dem Kunden muss bewusst sein, dass das Unternehmen an der modernsten Datensicherheit festhält und dass es Datenschutz ernst nimmt. Überprüfen Sie Ihre Sicherheitsmodalitäten, so dass Sie Ihren Kunden sorglos versichern können, dass ihre Daten bei Ihnen in guten Händen sind. Zudem sollten die Unternehmen aufgrund des neuen europäischen Datenschutzgesetztes (Datenschutz-Grundverordnung) sichergehen, dass sie über ein vollumfängliches Regulierungsprogramm verfügen. Das EU-Datenschutzgesetz wird im Zuge der neuen Gesetzgebung deutlich strikter ausfallen und die Einhaltung dieser Regelungen wird daher als Vertrauensbasis bei Konsumenten dienen. Im Übrigen sollten die Unternehmen auch hinter das Gesetz schauen, denn Konsumenten sind nicht nur daran interessiert, ob die Unternehmen das Gesetz verletzen oder nicht. Sie vertrauen den Unternehmen nicht mehr, wenn sie sich hintergangen fühlen, getäuscht werden, ihre Nachfrage nach Privatsphäre ignoriert wird oder sie das Gefühl haben, ihre persönlichen Informationen wurden verkauft. Für ein effektives Marketing wird in Zukunft nicht nur die Einhaltung der Gesetze und Unternehmensstandards ausreichend sein, sondern vielmehr die Einhaltung der Kundenwünsche von Nöten sein. Nur so kann Kundenvertrauen hergestellt und Beschwerden vermieden werden. In dem Sinne würde es sich auch für die Unternehmen anbieten, einen Datenschutzbeauftragten einzustellen.

 

Geben Sie Ihren Kunden mehr Kontrolle über ihre Daten.

Proaktive Schritte hinsichtlich transparenter Datenverwendung sind für das langfristige Beschwichtigen der Kunden ausschlaggebend. Für viele Kunden geht Datentransparenz einher mit Datenkontrolle. Konsumenten wollen Kontrolle über die Speicherung, Archivierung und Löschung ihrer persönlichen Informationen. Wenn ein Teil dieser Kontrolle dem Konsumenten übergeben wird, kann dieser genau die Informationen teilen, die er ungezwungen und sorgenlos aushändigen möchte. Auch Unternehmen können vom Übergeben der Kontrolle profitieren, denn durch das Abrufen der Daten kann der Kunde falsche oder nicht mehr aktuelle Informationen korrigieren.

 

Vereinfachen Sie den Datenerhebungsprozess.

Unternehmen sollten sich Gedanken über ihren Datengenerierungsprozess machen und sicherstellen, dass Kunden ihnen die Daten mit einem guten Gefühl anvertrauen. In den meisten Fällen werden Konsumenten bei der Datensammlung mit einem Disclaimer konfrontiert, so wird der Kunde über den Datenerhebungsprozess informiert und erhält zudem die Möglichkeit die Zustimmung zu verweigern. Allerdings sind die Geschäftsbedingungen für Online-Services und Produkte in vielen Fällen versteckt, zu lang, schwer zu verstehen oder gar irreführend. Die Vereinfachung des Datenerhebungsprozesses umfasst die klare und einfache Gestaltung der Geschäftsbedingungen; etwas, dass Unternehmen oft nicht gelingt. Geschäftsbedingungen müssen prägnanter und verständlicher werden. Zudem sollten die Unternehmen die Konsumenten dabei unterstützen, Kontrolle über ihre Daten zu behalten.

 

Gewinnen Sie das Vertrauen zurück.

Es bleibt die Frage, ob Unternehmen wirklich in der Lage sind, das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen, oder ob es sich bei den Massnahmen lediglich um eine Schadensbegrenzung handelt. Die Herausforderung wird darin liegen, die Konsumenten davon zu überzeugen, dass Sie als Unternehmen die persönlichen Informationen zum Vorteil Ihrer Kunden verwenden. Hierzu braucht es einen kulturellen Gedankenwandel, so dass Daten nicht mehr als Handelsware, sondern als eine Art Erweiterung der individuellen Identität gesehen werden. Die Wiedergewinnung von Konsumentenvertrauen ist für Unternehmen nicht unerreichbar. Dennoch bedarf ist sehr viel Hingabe und Engagement, um die Konsumenten zu dem Punkt zu bringen, an dem sie freudig ihre Daten teilen und die Verwendung ihrer Daten als Sorglos empfinden.

 

Quelle: Davey (2016).

 

Gegenthesen bzw. kritische Reflexion

Es sollte festgehalten werden, dass Transparenz nicht direkt Datenschutz und Kundenvertrauen impliziert. Beispielsweise hat Uber zwar einen Transparenzbericht veröffentlicht und seinen Kunden versprochen, Ihnen mitzuteilen, falls Gesetzeshüter das Bereitstellen ihrer persönlichen Daten angefordert haben. Fakt ist dennoch, dass Uber allein in dem Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2015 Informationen von 12 Millionen Nutzern geteilt hat (Uber, 2016). In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Transparenz auch wirklich nur positive Auswirkungen mit sich bringt? Zu viel Offenheit kann durchaus gegenläufige Effekte ausstrahlen, Vorwürfe und Misstrauen verstärken und somit das Kundenvertrauen weiter schädigen.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass Transparenz allein oftmals nicht ausreichend ist. Zu Beginn des Berichtes wurde erwähnt, dass sowohl Transparenz, aber auch Relevanz und Einfachheit Treiber von Kundenvertrauen sind. Google ist es wichtig, seinen Nutzern Kontrolle über ihre persönlichen Informationen zu geben und fördert daher mit seinem Dashboard fraglos die Transparenz von Daten. Dennoch steht der Konzern immer wieder wegen Datenschutzfragen in der Kritik. In einigen Fällen bedarf es wohl mehr als nur Transparenz, um die Hürde zum Erreichen von Kundenvertrauen zu bewältigen.

Aus diesem Grunde sollten Unternehmen achtsam mit dem Thema Transparenz umgehen und weitere Treiber in ihren Kampagnen berücksichtigen. In „When Transparency Backfires, and How to Prevent It“ wird eben diese Thematik behandelt und mögliche präventive Schritte bei der Anwendung von Transparenz diskutiert.

 

Wertvolle Resourcen und Links

Empfohlene Lektüren (“Must reads ”)

Deloitte. (2014). Datenschutz Deutschland – Die Transparenzlücke. Abgerufen am 17. Januar auf https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/Innovation/Analytics_Datenland-Deutschland_safe.pdf

Martin K. D., Borah, A., & Palmatier R. W. (2017). Data Privacy: Effects on Customer and Firm Performance. Journal of Marketing: January 2017, 81(1), pp. 36-58. doi: http://dx.doi.org/10.1509/jm.15.0497

Martin, K. D., & Murphy, P., E. (2016). The role of data privacy in marketing. In Journal of the Academy of Marketing Science, 45(2), pp. 1-21.

Morey, T., Forbath, T., & Schoop, A. (2015). Customer data: Designing for transparency and trust. Harvard Business Review, 93, pp. 96–105.

Tech Target. (2015). EU-Datenschutz-Grundverordnung: Was sich für Unternehmen ändert. Abgerufen am 17. Januar 2017 auf http://docs.media.bitpipe.com/io_11x/io_118205/item_985865/EU-Datenschutz-eguide.pdf

Telefonica, Centre for Information Policy Leadership. (2016). Reframing data transparency: Senior Roundtable. Abgerufen am 17. Januar auf https://www.huntonprivacyblog.com/wp-content/uploads/sites/18/2016/10/62672280_1.pdf

 

Empfohlene weitergehende Internetquellen

Lepperhoff, N. (2016). EU-Datenschutz: Was sich für Unternehmen ändert 
http://www.absatzwirtschaft.de/eu-datenschutz-was-sich-durch-die-grundverordnung-fuer-unternehmen-aendert-80365/

De Cremer, D. (2016). When Transparency Backfires, and How to Prevent It 
http://www.ceo.com/flink/?lnk=https%3A%2F%2Fhbr.org%2F2016%2F07%2Fwhen-transparency-backfires-and-how-to-prevent-it

 

Empfohlene Videos

Why your data matters to us video – by The Guradian Video (2014)

Data Transparency Lab Conference 2015 by Data Transparency Lab (2015)

Uber's First-Ever Transparency Report Shows It Released A Lot Of Data – Newsy by Newsy Business (2016)

Google Dashboard by googleprivacy (2009)

Referenzen und weitere Quellen

Chahal, M. (2016). Marketers overestimate consumers’ attitude to data. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf https://www.marketingweek.com/2016/06/23/marketers-overestimate-consumers-attitude-to-data/

Davey, N. (2016). Customer data collection: How to be trustworthy and transparent. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf http://www.mycustomer.com/marketing/data/customer-data-collection-how-to-be-trustworthy-and-transparent

Hosea, M. (2016). Why transparency in data is key to building trust. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf https://www.marketingweek.com/2016/06/15/why-transparency-in-data-is-key-to-building-trust/

Hunton & Williams. (2016). CIPL and Telefónica Call for Action on New Approaches to Data Transparency. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf https://www.huntonprivacyblog.com/2016/10/18/cipl-telefonica-call-action-new-approaches-data-transparency/

Meloa, A. (2016). Two surprising companies lead the pack in user data privacy and transparency. Abgerufen auf http://www.businessinsider.com/uber-leads-in-user-privacy-and-data-transparency-2016-5

Salyer, P. (2015). Data collection: Consumers demand transparency, relevance and convenience. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf http://www.marketingtechnews.net/news/2015/feb/03/data-collection-consumers-demand-transparency-relevance-and-convenience/

Schonschek, O. (2016). Google Dashboard: Meine Daten bei Google. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf https://www.datenschutz-praxis.de/fachartikel/was-google-dashboard-wirklich-bringt/

Uber. (2016). Transparency Report. Abgerufen am 17. Janaur 2017 auf https://transparencyreport.uber.com

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